Springe direkt zu: Contentbereich, Hauptnavigation, Suche
Sie sind hier:
Zu den Antworten der Bundesregierung zu den Fragen von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zur „Uranbelastung von Böden und Grundwaser durch uranhaltige Phosphatdüngemittel“ erklärt Cornelia Behm, Sprecherin für Ländliche Entwicklung der Bundestagsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN:
„Die erneut sehr knappe und offensichtlich lustlose Beantwortung unserer Fragen zur Uranbelastung von Böden und Grundwaser durch uranhaltige PhosphatDüngemittel erweckt den Eindruck, dass es seitens der Bundesregierung unerwünscht ist, Licht ins Dunkel zu bringen. Dieser Eindruck verstärkt sich, wenn man berücksichtigt, wie sehr das Agrarministerium bei den Recherchen zum NDR-Film "Gefährliches Trinkwasser"1, in dem es auch um Uran in Böden und Grund- und Trinkwasser geht, gemauert hat. Dort tragen Wissenschaftler Erkenntnisse zu einzelnen Fragen vor, während die Bundesregierung behauptet, zu den selben Fragen keine Erkenntnisse zu haben.
Welche Befürchtungen hegt das Agrarministerium im Zusammenhang mit Uranbelastungen durch Phosphatdüngemittel? Geht es (nur) um die Befürchtung, dass Phosphatdüngemittel teurer werden könnten, wenn diese nur noch geringe Mengen Uran enthalten dürfen? Oder glaubt die Bundesregierung an die Unbedenklichkeit der Uraneinträge, obwohl sie angibt, kaum Erkenntnisse über deren Wirkungen auf das Grundwasser zu haben?
Trotzdem wird aus den Antworten immerhin klar, dass es sich bei der Uranakkumulation aus uranhaltigen Düngemitteln keineswegs um eine vernachlässigbare Größe handelt. Wenn bei einem durchschnittlichen Urangehalt im Oberboden landwirtschaftlicher Nutzflächen von 0,59 mg/kg die mittlere Zunahme durch langjährige Düngung rein rechnerisch 0,32 mg Uran pro kg betragen müsste und davon in den deutschen Dauerversuchen im Mitteln 0,13 bis 0,20 mg pro kg tatsächlich gemessen werden konnten, dann bewegt sich der Anteil des durch die Düngung eingetragenen Urans in einer Größenordnung von einem knappen Viertel bis zu einer guten Hälfte des aktuel-len Urangehaltes im Oberboden landwirtschaftlicher Nutzflächen. Das ist alles andere als vernachlässigbar.
Es ist schwer verständlich, dass die Bundesregierung angibt, dass ihr keine Erkenntnisse über Urangehalte im Grund- oder Sickerwasser vorliegen, aus denen Rückschlüsse auf einen möglichen Eintrag durch Düngemittel abgeleitet werden können. So ist einer veröffentlichten Publikation z.B. zu entnehmen, dass bei einem Vergleich der Urankonzentrationen im Sickerwasser unter Acker und Forst bei Sandböden ein Trend zu höheren Urankonzentrationen unter Ackernutzung bestätigt werden konnte.2 Die Medianwerte lagen unter Acker bei ca. 0,8 Mikrogramm pro Liter und unter Forst bei ca. 0,4 Mikrogramm. Das ist immerhin eine Verdoppelung. Und 0,4 Mikrogramm pro Liter zusätzliche Uranbelastung sind angesichts eines Trinkwassergrenzwerts von 10 Mikrogramm pro Liter sicherlich keine von vornherein vernachlässigbare Größe, zumal ja die räumliche Verteilung unregelmäßig sein kann und sich die Werte angesichts eines fortdauernden Eintrags von Uran aus dem Oberboden durchaus noch erhöhen können.
Insgesamt steht die Vermutung, die Uranbelastungen des Sicker- und des Grundwassers seien vor allem auf die geogene Grundbelastung zurückzuführen und die Belastung durch Phosphatdüngemittel vernachlässigbar – trotz weiteren Forschungsbedarfs – bereits heute auf eher schwachen Füßen. Aus unserer Sicht spricht dagegen sehr viel für einen Urangrenzwert und eine Urankennzeichnungspflicht für Phosphatdüngemittel. Die Aussage der Bundesregierung, dass dieser dann für alle Düngemittel gelten müsste, ist angesichts der Tatsache, dass Urangehalte z.B. in Wirtschaftsdüngern sehr niedrig sind, nicht nachvollziehbar. Hier werden unnötig hohe Hürden aufgebaut.
Alles in allem muss noch viel Forschungsarbeit geleistet werden, um die offenen Fragen zu klären. Die Bundesregierung sollte die Klärung dieser Fragen zügig vorantreiben. Auch der Frage nach der möglichen Belastung von Wurzelgemüse durch die Uraneinträge muss das BMELV nachgehen.“
1 Den NDR-Film "Gefährliches Trinkwasser“ finden Sie unter http://www.ndr.de/mediathek/index.html. Dort nach "Gefährliches Trink-wasser" suchen (mit den Anführungszeichen eingeben).
2 Utermann, J. et al.: Uran in Böden und Sickerwässern – gibt es Indizien für eine phospordüngerbürtige Uran-Anreicherung? Tagungsbeitrag zur Jahres-tagung der Dt. Bodenkundlichen Gesellschaft (DBG), Sept. 2009