Cornelia Behm, MdB

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27. November 2003

Perspektiven für den Roggenanbau

Anlässlich ihres Besuches im Institut für Getreideverarbeitung (IGV) in Bergholz-Rehbrücke erklären die agrar- und verbraucherpolitische Sprecherin von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Bundestag und stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft (VEL), Ulrike Höfken und Cornelia Behm, bündnisgrüne Abgeordnete aus Brandenburg, Mitglied im Ausschuss für VEL und stellvertretende Sprecherin der AG Ost:

"Innovation ist eine Grundvoraussetzung für die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland, gerade im Bereich der erneuerbaren Energien. Innovation ist auch gefragt bei der Umsetzung der Beschlüsse zur EU-Agrarreform, mit der ab 2004 keine Interventionszahlungen für Roggen mehr erfolgen werden. Das Institut für Getreideverarbeitung in Bergholz-Rehbrücke hat sich beider Komplexe angenommen und kann praxisreife Ergebnisse vorweisen.

Der Besuch im Institut hat uns gezeigt, dass sich Brandenburg als größter Roggenerzeuger Deutschlands gut auf den Wegfall der Roggenintervention vorbereitet hat. Die Forschungsgelder in diesem Bereich waren und sind gut angelegt. Somit bestehen reale Chancen, neue Ein- und Absatzmöglichkeiten für die landwirtschaftliche Produktion in den Anbauregionen für Roggen zu schaffen.

Besonders zu unterstützen sind die Anstrengungen des Institutes, den geringen Anteil von 16% an Roggenmehl in Brot und Brötchen zu erhöhen. Das ist auch aus gesundheitlichen Aspekten zu begrüßen. Die Qualifizierung von Bäckern beim Einsatz von Roggenmehlen sowie die Entwicklung von Rezepturen, die auch die veränderten Verzehrsgewohnheiten der Bevölkerung berücksichtigen, können einen Wechsel im Kaufverhalten einleiten. Die vom Institut für Getreideforschung vorgestellten Alternativen des Einsatzes von Roggen als nachwachsender Rohstoff wie Dämmstoffe, Dämmplatten, Verbundwerkstoffe und Pflanzmatten sind überzeugend und sollten in die breite Anwendung gelangen.

Roggen ist durch seine Inhaltsstoffe als Basisrohstoff für die Entwicklung von Bioplastics prädestiniert und kann auch für die Herstellung biologisch abbaubarer Werkstoffe genutzt werden. Durch Ausnutzung des Verschäumungspotentials von Roggeninhaltsstoffen lassen sich weitere neuartige Verbundmaterialien für das Bauwesen und die Verpackungsindustrie entwickeln.

Bei der energetischen Biomassenutzung von Roggen stehen die Umwandlung zu Treibstoffen (Bioethanol) oder die Erzeugung von Biogas (anaerobe Vergärung) im Vordergrund, zusätzlich besteht die Möglichkeit der Verbrennung oder thermischen Vergasung zur Wärmeerzeugung oder Kraft-Wärme-Kopplung.

Mit der Novelle des Erneuerbaren Energien Gesetzes und dem Ziel, bis 2050 die Hälfte aller Energien aus erneuerbaren Quellen zu erzeugen, wird die rot-grüne Bundesregierung jetzt die Weichen für die Energiewende auch im Bereich Bioenergien schaffen. Bis zum Jahr 2020 wollen wir 200.000 Arbeitsplätze im Bereich der erneuerbaren Energien schaffen und besonders im ländlichen Raum Akzente setzen. Neue Perspektiven für Wohnen und Arbeiten im ländlichen Raum aufzuzeigen, ist erklärtes Ziel bündnisgrüner Politik, damit die dramatische Abwanderung von Jugendlichen oder Fachkräften aus diesen Gebieten verringert werden kann.

Das privatrechtlich organisierte IGV hat sich für den Bereich Roggen bereits eine gute Vernetzung zwischen Forschung, Industrie und Handel geschaffen. Damit können nicht nur Forschungsaufträge für die 110 hochqualifizierten MitarbeiterInnen im Institut selbst eingeworben, sondern auch Perspektiven für weitere Arbeitsfelder eröffnet werden Als neuen Schwerpunkt wird das Institut Untersuchungen zur Verwertung von Süßwasseralgen setzen. Hier haben uns die aktuellen Forschungsergebnisse und die breite Palette der vorgesehenen Einsatzgebiete beeindruckt. Wir werden die Erkenntnisse aus dem Besuch des IGV in unsere politische Arbeit einbeziehen. Darüber hinaus haben wir Vertreter des Institutes eingeladen, um mit Ihnen über einen erweiterten Absatz von
Roggenbackwaren zu sprechen. Weiterhin wollen wir uns für die Ausweitung der Produktion von nachwachsenden Rohstoffen aus Roggen einsetzen und dabei insbesondere die Unterstützungsmöglichkeiten für Existenzgründungen bzw. der Ausweitung der Produktion bei KMU auf ihre Passfähigkeit prüfen."

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