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Die gestrige Vorstellung der Brandenburger Alleenbilanz 2010 durch den Landesstraßenbetrieb bestätigt die Befürchtungen, dass der Pflanzverpflichtung von 30 km neugepflanzte Alleen pro Jahr gemäß der Alleenkonzeption des Landes nicht nachgekommen werden kann.
Cornelia Behm MdB, Vorsitzende der Alleenschutzgemeinschaft (ASG), zieht aus diesem Ergebnis folgenden Schluss: "Bei der Evaluierung der Alleenkonzeption, die noch für dieses Jahr ansteht, müssen die aufgetretenen Widersprüche zwischen Konzept und Realität benannt und es muss ernsthaft nach Abhilfe gesucht werden. Will Brandenburg dem langsamen Alleenschwund der letzten DDR-Jahrzehnte begegnen und seine Alleen erhalten, dann sind sowohl ganze Straßenabschnitte neu zu bepflanzen als auch Nachpflanzungen von Einzelbäume in Lücken vorzunehmen. Wenn der Abstand von 4,50 m zwischen Straße und neugepflanzten Alleebäumen nicht in jedem Fall realisierbar ist, dann muss es auch möglich sein, von den Vorgaben der ESAB (Empfehlungen zum Schutz vor Unfällen mit Aufprall an Bäumen) abzuweichen. Verkehrssicherheit wird nicht durch den Abstand der Bäume vom Straßenrand gewährleistet, sondern in erster Linie durch ein der Situation angepasstes Fahrverhalten."
Allerdings sollten die Behörden auch bei den Anwohnern und Grundstücksbesitzern um Verständnis und Akzeptanz für die Neupflanzungen werben. Hierzu gehören auch faire Preise für die Flächen und nicht etwaige Androhung von Planfeststellungsbeschlüssen. Konflikte zwischen Alleebäumen und den Straßenraum nutzenden Versorgungsleitungen sind zwar nicht von der Hand zu weisen, doch sie können doch nicht dazu führen, dass Alleen verschwinden. "Diese Konflikte müssen ausgeräumt werden. Da muss das Land dann vielleicht mal einen Runden Tisch mit allen beteiligten Unternehmen organisieren", schlägt Behm vor.
Ein weiteres Ergebnis der Vorstellung stimmt die Alleenschützerin ebenfalls nachdenklich: "Wenn die Behörde die Aufstockung der Speicherkapazitäten für Streusalz als positive Nachricht darstellen, dann ist fraglich, ob der Schutz der Alleen überhaupt auf der Agenda des Landes steht, denn Streusalz ist Gift für die Alleebäume. Bundesweit appellieren Alleenschützer schon seit Jahren an die für den Winterdienst zuständigen Behörden und Betriebe, in Alleen auf Streusalz zu verzichten und auf andere Mittel zur Abstumpfung der Straße umzustellen. Hierfür müssen die politisch Verantwortlichen in den Kommunen und im Land die Weichen stellen, weil leider fast nur noch Technik für das Salzstreuen vorhanden ist", fordert Cornelia Behm.
"Entweder trägt die novellierte Alleenkonzeption den in der Praxis der vergangenen Jahre deutlich gewordenen Herausforderungen Rechnung, oder Brandenburg verabschiedet sich von Neupflanzungen und nimmt somit den schleichenden Tod der Alleen in Kauf. Letzteres", so Behm, "ist jedoch nicht akzeptabel. Brandenburg hat als Alleen-Land einen Ruf zu wahren und muss das Natur- und Kulturgut Allee schützen."
Die Alleenschutzgemeinschaft ist ein bundesweit organisierter Verein zum Erhalt und Ausbau des Alleenbestandes in Deutschland, deren Mitglieder die namhaften deutschen Umweltverbände, zahlreiche Bundestagsabgeordnete sowie im Alleenschutz engagierte Bürgerinnen und Bürger sind. Die ASG wirbt seit 2002 gemeinsam mit dem Bundesumweltministerium mit der Kampagne "Deutsche Alleen durch nichts zu ersetzen" für den Alleenschutz.
Zu den Aufgaben der ASG gehören die Förderung von Neupflanzungen an Straßen und Wegen, die Aufklärung von Öffentlichkeit, Behörden und Entscheidungsträgern über die Bedeutung von Alleen als wertvolles Kultur- und Naturgut sowie der Einsatz für rechtliche Rahmenregelungen, die den Alleenschutz verbessern.