Springe direkt zu: Contentbereich, Hauptnavigation, Suche
Sie sind hier:
Neurüdnitz (moz). Die ländliche Entwicklung fördern, das ist das Anliegen der Bundestagsabgeordneten Cornelia Behm (Grüne). In den sitzungsfreien Wochen unternimmt sie Reisen im Land und besuchte gestern Christian Filter in seiner Hofmanufaktur in Neurüdnitz – der ersten Obstbrennerei im Oderbruch.
Der Duft von Äpfeln hängt über dem Hof in Neurüdnitz. In den ehemaligen Stallungen herrscht hektische Betriebsamkeit. Flaschen klappern und werden palettenweise verpackt und verladen.
In der Hofmanufaktur von Christian Filter ist dieser Tage Hochsaison: 1500 bis 2000 Flaschen Apfelsaft werden dort am Tag abgefüllt; zwei bis 2,5 Tonnen frischer, reifer Früchte bester Qualität vermostet. Etwa 22 Hektar Streuobstwiesen in der Schorfheide und im Oderbruch gehören zum Betrieb und liefern die Grundlage für den frischen Most. Aber auch Bauern aus der Region können ihre Früchte zur Lohnvermostung vorbeibringen. Der "Schöne aus Sonnenburg" zum Beispiel ist ein 100-prozentiger Streuobstwiesensaft, dessen Früchte aus Sonnenburg stammen.
Neben den Äpfeln sind es auch Birnen, Pflaumen und Quitten, Kirschen, Beerenobst und Wildfrüchte, die verarbeitet werden. Dabei seien die Wildfrüchte wie Pflaumen und Schlehen besonders aufwendig – sowohl bei der Ernte als auch in der Brennerei. "Wir stellen hochqualitative Produkte aus alten Obstsorten her", berichtet Christian Filter. Und das Beste, was einer Frucht passieren könnte, sei, gebrannt zu werden. "Der Alkohol transportiert das reine Fruchtaroma."
Genussmittel für Genießer stellt der 38-Jährige her, der vor einigen Jahren mit seiner Familie nach Neurüdnitz gezogen ist und seit 2007 die Mosterei und seit dem vergangenen Jahr die Brennerei betreibt. Etwa 60 Kunden in Berlin, Potsdam und der Region hat der Unternehmer schon von seinen Produkten überzeugen können. "Kleinere Brennereien wie diese schließen landwirtschaftliche Kreisläufe. Die Wertschöpfung bleibt in der Region. Das ist genau das, was wir uns wünschen", sagte Cornelia Behm, die unter anderem Mitglied im Agrarausschuss und im Unterausschuss für regionale Wirtschaftspolitik ist. In den sitzungsfreien Wochen unternimmt sie immer wieder Reisen im Land. "Ich will mich mit den Leuten unterhalten, für die ich Politik mache." Außerdem liege es ihr am Herzen, die ländliche Entwicklung zu fördern.
Nachhaltigkeit ist auch das Stichwort für Christian Filter: 180 Bäume wird er in diesem Herbst noch pflanzen. Zum einen natürlich, um seine Rohstoffzufuhr zu sichern, aber auf der anderen Seite auch, um die Landschaft mit den alten Obstsorten aufzuwerten.
Erstmalig sind in diesem Jahr seine Brände erhältlich, die ein bis zwei Jahre eingelagert wurden, bis sie nun verkauft werden können. Als sogenannte Lohnbrände hatte er sie in einer kleinen Brennerei in Dresden herstellen lassen. Damals hätte er sich noch nicht vorstellen können, wie schwierig manche Hürde zu nehmen sei, bis ein Unternehmen richtig laufe, gibt Filter zu. Gerade macht ihm neben der schlechten Obsternte in diesem Jahr die derzeitige Haushaltssperre des Landes Brandenburg zu schaffen. Denn damit ginge ein Bearbeitungsstopp für Fördermittel einher. Gerne hätte er Geld in den alten Dorfkonsum in Altreetz gesteckt, um dort einen Regionalmarkt und Lohnvermostung anzubieten. "Die Haushaltssperre ist für die ländliche Region absolut schädlich", stimmte Cornelia Behm zu.
Denn Unternehmer wie Christian Filter würden auch einen Imagegewinn für die Region bedeuten. Schließlich würde er auch auf Messen und Märkten für das Oderbruch Werbung machen. "Man braucht einen langen Atem", so Christian Filter.
Diesen Artikel von Nadja Vogt vom 15.10.2010 finden Sie hier.