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17. August 2010

Chancen regionaler Wirtschaftskreisläufe

Vor der Sommerpause kam die Arbeitsgruppe Ländliche Entwicklung der bündnisgrünen Bundestagsfraktion zu zwei Sitzungen in Berlin zusammen, um an Strategien zu arbeiten, die die innerregionale wirtschaftliche Kooperation im ländlichen Raum stärken und somit die Lebensqualität am Heimatort verbessern können.

Zu den Sitzungen waren zwei Experten eingeladen. Horst Luley, Professor für Soziale Prozesse und Regionalentwicklung an der Fachhochschule Eberswalde und Ulf Hahne, Professor für Ökonomie der Stadt- und Regionalentwicklung an der Universität Kassel.

Prof. Luley führte in seinem Vortrag aus, dass regionale Wirtschaftskreisläufe ökonomische, ökologische und soziale Aspekte im ländlichen Raum miteinander verbinden würden. Er wies auf die Schwierigkeit der Etablierung regionaler Wirtschaftskreisläufe in vielen Regionen Deutschlands hin und machte deutlich, dass verbindliche Kriterien für eine Zertifizierung, die den regionalen Ursprung von Produkten ausweist, sowohl auf europäischer als auch auf nationaler Ebene bisher fehlen. Ein solches Prädikat könne die Nachfrage nach speziellen regionalen Erzeugnissen steigern. Luley empfahl außerdem, das Konzept regionaler Wirtschaftskreisläufe vor dem Hintergrund der Nachhaltigkeitsdebatte weiter zu entwickeln und die grüne Agrarreform dahingehend voranzutreiben.

Prof. Hahne wies zur Stärkung der Nachfrage nach regionalen Produkten und Dienstleistungen auf den positiven Effekt von Kampagnen hin und empfahl eine intensive Kooperation zwischen den einzelnen Akteuren, beispielsweise im Lebensmittelbereich zwischen Landwirten, Restaurantbetrieben und Tourismus. Ein großer Vorteil dezentraler Wirtschaftsentwicklung seien vor allem die ressourcensparende Produktionsweise, die Herausbildung neuer Konsummuster sowie die Etablierung einer neuen Regionalkultur.

Als Ansatzpunkte für die Verbesserung des Angebots nannte er die sinnvolle Produzentenvernetzung zum Aufbau von Stoffkreisläufen und Wertschöpfungsketten. Im Holzsektor seien hiermit bereits gute Erfahrungen gemacht worden. Allerdings sei für den Aufbau von stabilen innerregionalen Kreisläufen ein langer Prozess der Vertrauensbildung und Werbung um Teilnahme notwendig. In der Wirtschaftsförderung regionaler Kooperationen seien deshalb vor allem Beratungsangebote für Unternehmen  und zielgerichtete Gewerbeansiedlungen zum Aufbau entsprechender Wertschöpfungsketten von großer Bedeutung. Darüber hinaus betonte Hahne die Bedeutung steuerlicher Anreize für die gewerbliche Entwicklung in ländlichen Räumen.

Sowohl Luley als auch Hahne wiesen darauf hin, dass der unter Bundeslandwirtschaftsministerin Renate Künast gestartete Wettbewerb "RegionenAktiv. Land gestaltet Zukunft" ein beispielhafter Modellversuch war und bedauerten, dass die Erfahrungen keinen Eingang in die Regelförderung für die ländliche Entwicklung gefunden haben.

In der Diskussion der Arbeitsgruppe wurde betont, dass regionale Wirtschaftskreisläufe insbesondere strukturschwachen Regionen zugute kommen und diesen neue, richtungsweisende ökonomische Impulse geben können. Heimatbezug und regionale Identifikationen würden gleichsam gestärkt und neue Bindungswirkungen zwischen Bürgerinnen und Bürgern und ihren Regionen belebt.

Neben dem Lebensmittelsektor und der Holzverarbeitung wurden vor allem der Baubranche und dem Handwerk günstige Ausgangsbedingungen zum Aufbau regionaler Wertschöpfungsketten bescheinigt.