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29. Juli 2010

Cornelia Behm besucht die integrative Erlebnisfreizeit

Artikel aus der Märkischen Oderzeitung vom 29.7.2010 (Viola Petersson)

Seit 20 Jahren hält der Allgemeine Behindertenverband Land Brandenburg der Herberge am Werbellinsee, der EJB, die Treue. Auch im Jubiläumsjahr führt die "Integrative Erlebnisfreizeit" in den Barnim. Insgesamt 230 Kinder und Jugendliche, Behinderte und Nichtbehinderte, nehmen in zwei Durchgängen daran teil.

Dienstagnachmittag in der Europäischen Jugenderholungs- und Begegnungsstätte (EJB) am Werbellinsee: Die Kinder und Jugendlichen sind noch in ihren Zimmern. Die Betreuer bauen zwischen den Häusern 2 und 3 Stationen auf. "Heute findet nämlich ein Kreativfest statt", erklären Uta und Thomas Kroop, die diesen zweiten Durchgang leiten. Der Nachmittag stehe ganz im Zeichen des 2010er Mottos: Manege frei – so ein Zirkus.

Und auch Besuch hat sich angesagt: die Bundestagsabgeordnete Cornelia Behm. Die Grünen-Politikerin, eigentlich schon ein Stammgast der Integrationsfreizeit, trifft wenig später ein. Ebenso wie Thomas Dyhr vom Barnimer Kreisverband. Die beiden kommen nicht mit leeren Händen. Behm hat einen Karton dabei. Mit Bastelbögen – "in zwei Schwierigkeitsgraden", wie sie betont, mit Bällen zum Jonglieren und natürlich Luftballons.

"Wir wissen ja noch gar nicht, was angeboten wird. Die Betreuer verraten es uns nicht", sagt Jule (11) aus Sachsen, als Cornelia Behm, Thomas Dyhr und die Kroops in das Mädchen-Zimmer schauen. "Das soll ja auch eine Überraschung sein", erwidert Uta Kroop. Jule nimmt schon zum vierten Mal an einer Erlebnisfreizeit des Allgemeinen Behindertenverbandes (ABB) teil. "Es ist jedes Jahr anders", erklärt das Mädchen aus dem Vogtland. Ein neues Motto, neue Betreuer – aber untereinander kenne man sich schon. Besonders freue sie sich diesmal auf eine Fahrt in den Filmpark Babelsberg. Ebenso wie Joana (12) aus Eggersdorf, für die es bereits die fünfte Reise mit dem ABB sei. "Nein, langweilig wird das nicht. Wir unternehmen ja viel. Es macht einfach Spaß."

Für Mateus (12) aus Aachen ist die Erlebnisfreizeit am Werbellinsee hingegen eine Premiere. "Doch, ein bisschen Heimweh hatte ich anfangs schon", gesteht er. "Aber ich habe schon etliche Freunde gefunden. Und wir spielen viel." Gespannt sei er auf den Filmpark und auf den Kino-Abend. Mateus gehört zu jenen 25 Kindern, die im Rahmen einer Partnerschaft des ABB mit Nordrhein-Westfalen reisen.

"Das Gros der Kinder kommt aber aus Berlin und Brandenburg", so Uta und Thomas Kroop, die jüngst für ihr Engagement mit der Bundesverdienstmedaille ausgezeichnet wurden. Zu den Besonderheiten der ABB-Freizeit zählt für sie die Offenheit. "Wir sind nicht spezialisiert. Kinder mit chronischen Erkrankungen, mit geistiger oder körperlicher Behinderung fahren genau so mit wie Lernbehinderte und natürlich Nichtbehinderte." In diesem Jahr musste man etwa 50 Kindern absagen, so groß war die Nachfrage. Um das Wohl der Schützlinge kümmern sich pro Durchgang etwa 45 Betreuer. Viele nehmen dafür extra Urlaub. Wie zum Beispiel Anna Gerwinat (21) aus Angermünde, die acht Jahre als Teilnehmerin dabei war und jetzt seit fünf Jahren als Betreuerin mitfährt. "Es ist immer wieder eine neue Erfahrung", so die junge Frau. "Man geht ganz anders mit Behinderten um, wenn man diese Welt erst mal kennen gelernt hat", sagt Julia Witte (20), die Architektur studiert und zwei Wochen ihrer Semesterferien "opfert", dies aber gern tut, wie sie versichert. "Die Mädchen in meiner Gruppe helfen sich gegenseitig, sie spielen miteinander. Das ist wirklich schön."

Cornelia Behm bestätigt: Ein Leben mit Behinderten kann ein durchaus erfülltes Leben sein. "Dazu muss man es aber kennen lernen." Dies sei umso wichtiger, da einerseits die Zahl der Menschen mit Behinderungen steigt, andererseits aber "das Zusammenleben immer rauer wird", so Behm. Inklusion, die soziale Einbeziehung, sei in aller Munde, doch die Praxis sehe oft noch anders aus. Die Freizeit des ABB sei ein überaus positives Beispiel.

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Integrationsfreizeit

Quelle: privat