

Am Montag, dem 16.02.2009, wurde Cornelia Behm als waldpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen zu einem Fachgespräch, veranstaltet vom Landesverband Thüringen, als Gastrednerin nach Bad Frankenhausen eingeladen.
In ihrem Vortrag zum Thema "Kraftwerk Wald – Nachhaltige Nutzung braucht soliden Rechtsrahmen" machte Cornelia Behm zunächst auf die Bedeutung des Waldes in Thüringen aufmerksam. Mit etwa 1/3 der Landesfläche Thüringens sind Wälder nicht nur ein bedeutender Lebensraum, sondern auch eine wichtige natürliche Ressource. Doch leider seien die Wälder Thüringens zum großen Teil Forsten, die nicht naturnah seien. Kiefern- und Fichtenmonokulturen stellen den Großteil der Waldgesellschaften dar. "Die Bewirtschaftung der Altersklassenforste wird trotz gesetzlicher Einschränkung noch allzu häufig im Kahlschlagsverfahren vorgenommen. Doch nicht nur aufgrund der niederen ökologischen Wertigkeit sollte zukünftig auf naturnahe Wälder gesetzt werden", so Behm, "gerade in Anbetracht von Risiken wie Sturmschäden oder Schädlingsbefall sollten diese auch aus Gründen des Risikomanagements zunehmend in naturnahe Waldgesellschaften umgewandelt werden." Indikatoren dafür seine nicht nur die heimische Baumarten, sondern auch der Alt-, Biotop- und Totholzanteil in den Wäldern. Um diesen Wandel möglichst schonend voranzutreiben, bräuchte man Naturverjüngung. Die Jagd, um waldverträgliche Wilddichten herzustellen, spielt dabei eine zentrale Rolle. Deshalb könne die Forderung nach einer Novelle des Bundeswaldgesetzes nur in Verbindung mit einer Novelle des Jagdgesetzes volle Kraft entfalten. Behm griff in ihrem Vortrag auch weitere Forderungen wie beispielweise dem Verzicht auf Bodenbearbeitung, dem Verbot des Einsatzes von Pestiziden sowie dem flächenhaften Befahren auf. Mehr dazu finden Sie im Antrag zur Novelle des Bundeswaldgesetzes.
Nach Behms Vortrag folgte ein Referat von Dr. Christof Oldenburg, Forstwissenschaftler und Vertreter der Waldbesitzerverbandes Sachsens, der neben allgemeinen Waldstrukturdaten auch einige wirtschaftliche Hintergründe in die Diskussion einbrachte. Er sprach sich in seiner Funktion als Lobbyist für Privatwaldbesitzer weiterhin für Nadelforsten aus, da diese derzeit ertragreicher seien. Er sehe auch in Anbetracht des Klimawandels Schwachhölzer zukünftig im Vorteil.
Roberto Kobelt, Energiepolitischer Sprecher der Thüringer Bündnisgrünen, machte in seinem Vortrag auf die gegenwärtige Entwicklung am Energiemarkt aufmerksam. Seine Lösungsvorschläge für Thüringen sind auch im energiepolitischen Programm des Landesverbandes festgehalten. Im Zentrum dabei stünden die drei E´s: Energieeffizienz, Energieautarkie und Erneuerbare Energien. Dabei gelte es regionale Kreisläufe zu stärken. "Beim öffentlichen Ausschreibungsverfahren ist darauf zu achten, das beispielsweise Holzfenster statt Plastikrahmen zur Verwendung kommen", so Roberto Kobelt.
Abschließend wurde unter der Leitung von Dr. Frank Augsten, Sprecher des Landesverbandes von Bündnis 90/ Die Grünen Thüringen, diskutiert. Zusammen mit Cornelia Behm saßen die weiteren Redner sowie Dr. Andreas Niepagen von der Forstinspektion Thüringen-Nord auf dem Podium. Sie stellten sich dabei, in der vom Moderator bewusst offen gehaltenen Atmosphäre, auch den Fragen aus dem Publikum.
Als Resúme dieser Veranstaltung zog Behm: "Es bestärkt mich in unseren Positionen, die wir Bündnisgrüne in unserem Antrag zur Novelle des Bundeswaldgesetzes gefordert haben. Doch auch die vor einigen Jahren entwickelte Strategie zur Charta für Holz sollte noch einmal auf die politische Agenda gesetzt werden. Die Bedürfnisse und die Gefahren, denen der deutsche Wald ausgesetzt ist, sind vielfältig. Deshalb brauchen wir einen soliden Rechtrahmen für einen naturnahen, multifunktionalen Wald."