Springe direkt zu: Contentbereich, Hauptnavigation, Suche
Sie sind hier:
Als Wim Dobbe vor mehr als zehn Jahren in die Uckermark kam, baute er mit vollem Eifer einen Rinderstall auf. Dabei achtete er zuerst auf die Tiere und dann auf sich selbst: sein Büro nutzte er als Wohnung, auf einer Matratze schlief er. Dieser Einsatz hat sich gelohnt, in seinem Betrieb stehen jetzt 240 Rinder und 60 Kälber. Die Hälfte der Milch liefert Dobbe per Rohrleitung direkt an einen benachbarten Verarbeitungsbetrieb. Die andere Hälfte wird mit Lastwagen weggefahren. So weit, so gut.
Doch nun, plant der Landwirt seine Anlage zu erweitern und zieht sich damit den Portest zahlreicher Anwohner zu. Eine Bügerinitiiative hat sich gegründet, die Menschen sehen den Reiz der Landschaft in Gefahr. Sie fürchten, dass durch das riesige Gülleaufkommen der Boden und das Trinkwasser belastet wird. Zudem fürchten sie die üblen Gerüche und den LKW-Verkehr, den ein Massenbetrieb mit sich bringt. Auch die nahegelegene Stadt Angermünde steht dem Vorhaben skeptisch gegenüber: In einem Beschluss stellt die Stadtverordnetenversammlung fest, dass "... Natur-, Landschafts- und Umweltschutz wesentliche Gestaltungsprinzipien des kommunalen Handelns sind. Des Weiteren soll ein auf Langfristigkeit angelegter Tourismus entwickelt werden, der sich an den vorhandenen einheimischen und ortstypischen Potenzialen und an dem Leben mit der Natur orientiert. Beide Aspekte sehen wir durch das angestrebte Vorhaben so schwerwiegend tangiert, dass selbst die dargestellte Anzahl neugeschaffener Arbeitsplätze die entstehenden Lasten für das Gemeinwesen nicht aufwiegen kann."
Als sich Cornelia Behm mit Wim Dobbe traf um, über das Vorhaben zu sprechen, ging es sehr schnell um mehr als nur um die lokalen Probleme. Überschüsse drücken den Milchpreis – aber die Politik in Brüssel und Berlin will die notwendigen Korrekturen in der Milch-Politik nicht vornehmen. Exportsubventionen zulasten der Entwicklungsländer, Milchfonds, Bürgschaften oder Investitionsförderung sollen die Landwirtschaft beruhigen – gleichen aber die Verluste durch die Schieflage von Angebot und Nachfrage bei weitem nicht aus. Weiterhin soll trotz der augenfälligen Probleme jegliche Mengenregulierung 2015 endgültig fallen. Immer mehr, immer intensiver, Massenerzeugung für den Weltmarkt ist das erklärte Ziel der herrschenden Agrarpolitik. Die Landwirtschaft wird unfreiwillig zum dritten Konjunkturpaket. "Wachse oder stirb" heißt es für so manchen Betrieb.
Cornelia Behm zeigte Verständnis für die Argumente des Milchbauern. Dennoch legte sie einen alternativen Weg dar, auf dem zumindest einigen Problemen der Milchbranche ausgewichen werden kann. Sie apellierte an Dobbe, auf eine Erweiterung seiner Milchviehanlage im großen Stil zu verzichten. Statt mit mehr Kühen mehr Milch zu produzieren, sollte sich der Schmargendorfer Landwirt lieber auf eine bessere Qualität besinnen und sich künftig auf den Bio-Markt konzentrieren. Das garantiere einen sicheren Absatz zu besseren Preisen, erklärte die Bundestagsabgeordnete. Sie sei dafür, sagte sie, die Landschaft gemeinsam mit den Bauern zu entwickeln. Dies müsse aber vernünftig vonstatten gehen.