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"Krise" und "globale Herausforderungen" sind die Begriffe, die von Politik und Gesellschaft seit einigen Monaten geradezu inflationär gebraucht werden: Klimakrise, Finanzkrise, Wirtschaftskrise, Ernährungskrise – allesamt Krisen der Nachhaltigkeit – sind die globalen Herausforderungen, die zu bewältigen sind. Hier und weltweit und zwar ohne Verzögerungen. Ein Schlüssel dazu ist die Agrarforschung. Denn die Landwirtschaft, besser die Landnutzung, hat sowohl bedeutenden Einfluss auf das Klima, als auch auf die weltweiten Waren- und Finanzströme, auf die regionale Wertschöpfung und auf die Frage, wie erfolgreich Armut und Hunger begegnet werden kann. Aber mit einem "Weiter so" in der Landwirtschaft werden die Probleme eher verschärft als gelöst.
Wenn der Klimawandel gebremst und trotz klimatischer Veränderungen Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft im Jahr 2050 eine auf 9 Milliarden Menschen angewachsene Weltbevölkerung ernähren und mit Energie versorgen soll, dann ist das nicht mit der züchterischen oder gar gentechnischen Bearbeitung von einigen wenigen Kulturpflanzen getan. Sondern es müssen Maßnahmen ergriffen werden, die den Artenschwund – auch den Verlust von Kulturpflanzen und kommerziell genutzter Tierarten und -rassen bremsen. Es dürfen nicht weiter Agrar- und Forstflächen durch den Bau von Siedlungs- und Verkehrflächen der Nutzung entzogen werden. Devastiertes Land und verschmutzte Gewässer müssen rekultiviert werden.
Was wir tun müssen, ist also ziemlich klar, nur wie wir es tun müssen, dafür besteht ein immenser Forschungsbedarf. Die Agrarforschung sehe ich im Kontext Klimawandel und Welternährung als zentrale Säule in einem interdisziplinären Forschungsverbund. Doch die Agrarforschung ist weder in Deutschland noch weltweit den an sie gestellten Anforderungen gewachsen. Anstatt die Forschung auszubauen und um neue Themenfelder wie Anpassung an den Klimawandel, klimafreundliches Wirtschaften etc. zu erweitern, wird sie seit Jahren zusammengekürzt und das weltweit. So lautet eine der Forderungen des Weltagrarberichts, der ja von UN und Weltbank unterstützt wurde: Rücknahme der Kürzungen bei der Forschung.
Der Antrag der LINKEN spricht in der Tat viele Punkte an, die im Argen liegen. Sowohl mit der Analyse der Situation der Agrarforschung in Deutschland als auch mit den Forderungen stimmen wir Bündnisgrüne in großen Teilen überein. Eine ressortübergreifende Koordinierung und bessere Vernetzung der agrarwissenschaftlichen Institutionen sind ebenso notwendig wie die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses.
An der Neustrukturierung der Agrar-Ressortforschung hatten wir Grüne seinerzeit ausdrücklich kritisiert, dass weniger die zu lösenden Aufgaben als das begrenzte Budget Motor für die Veränderungen war. Insofern könnte eine Evaluation der bisher umgesetzten Maßnahmen noch zu einer Verbesserung im Bereich der Agrarforschung führen.
Dass für eine qualitative und quantitative Verbesserung der agrarwissenschaftlichen Lehr- und Ausbildung eine verbesserte Koordinierung und Standardisierung der Lehrinhalte nötig ist, sehe ich nicht. Vielmehr lebt die interdisziplinäre Forschung durch die unterschiedliche Schwerpunktsetzung. Wir sollten das als Chance und nicht als Problem sehen.
Lassen Sie mich noch einmal zusammenfassen, worum es uns Grünen geht: Wir wollen den Ausbau der Forschung und neue Herausforderungen in bereits vorhandene oder neu zu begründende Forschungsfelder aufnehmen. Eine nachhaltige, d.h. zukunftsorientierte Landwirtschaft braucht ein höheres Forschungsbudget. Und die Agrarforschung braucht die strukturelle Einbettung in einen interdisziplinären Forschungsverbund zur Landnutzung, der die aktuellen Fragen, die uns Klimawandel und Bevölkerungswachstum stellen, beantwortet.