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PRESSEMITTEILUNG


Datum: 13. November 2008

Grünlandverluste schreiten beschleunigt voran

Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz haben 5 %-Grenze bereits überschritten

Behm: Dramatische Entwicklung erfordert schnell Gegenmaßnahmen

Der Verlust an Dauergrünland in Deutschland schreitet beschleunigt voran. Dies ergibt sich aus den neuen Zahlen, die die Bundesregierung der agrarpolitischen Sprecherin von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Cornelia Behm, als Antwort auf eine Schriftliche Frage mitgeteilt hat. Während der Grünlandanteil an der gesamten beihilfefähigen Agrarfläche zwischen 2003 und 2007 um 2,3 % abgenommen hatte, sind es heute schon 3,4 %.

"Der Trend zum Gründlandumbruch ist infolge der hohen Nachfrage nach Agrargütern in den meisten Bundesländern ungebrochen", stellt Cornelia Behm angesichts der neuen Zahlen fest. "Seit 2003 hat die Grünlandfläche um 204.000 ha abgenommen – davon allein 50.000 ha im letzten Jahr. Damit gingen innerhalb von fünf Jahren insgesamt 4,1 % der Grünlandfläche verloren." Diese Zahl fällt etwas höher aus als die 3,4-prozentige Abnahme des Grünlandanteils an der gesamten beihilfefähigen Agrarfläche. Denn diese nahm trotz erstmaliger Einbeziehung von Dauerkulturflächen ab. Dieser Verlust von 122.000 ha Agrarfläche seit 2003 geht vor allem auf die fortschreitende Zersiedelung zurück.

Behm: "Dieser Entwicklungstrend ist aus Sicht des Naturschutzes und der Klimapolitik dramatisch. Denn Dauergrünland ist meist artenreicher als Ackerland und damit für den Erhalt der biologischen Vielfalt wichtig. Da zudem nach Grünlandumbruch ein erheblicher Teil des im Boden gespeicherten Kohlenstoffs in die Atmosphäre entweicht, wirkt das zusätzlich klimaschädigend. Diese CO2-Emissionen sind vermeidbar."

Die Lage ist in einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlich. In einigen hat sie dramatische Formen angenommen. So verzeichnen Schleswig-Holstein/Hamburg seit 2003 einen EU-rechtlich maßgeblich Grünlandverlust von 7,5 %, Mecklenburg-Vorpommern 5,6 % und Rheinland-Pfalz 5,2 %. Diese drei Länder sind nach EU-Recht zu einer Genehmigungspflicht für den Grünlandumbruch verpflichtet. Andere Länder stehen kurz davor: In Niedersachsen/Bremen sind es 4,97 % und in NRW 4,4 %. Auch für Brandenburg/Berlin (3,5 %) und Baden-Württemberg (2,5 %) ist angesichts der verzeichneten Verlustrate das Überschreiten der 5-%-Grenze in den nächsten zwei Jahren zu befürchten, wenn keine Trendwende eingeleitet wird.

In einigen Ländern wie Saarland, Hessen, NRW, Thüringen und Sachsen-Anhalt scheint die Entwicklung jedoch vorerst gestoppt. In ihnen hat die Grünlandfläche seit letztem Jahr kaum mehr abgenommen oder gar leicht zugenommen. "Dies zeigt, dass es möglich ist, den Grünlandumbruch zu stoppen", so Behm. "Hier muss die Ursachenanalyse ansetzen und klären, was in diesen Ländern seit 2007 besser gelaufen ist als in Ländern wie Schleswig-Holstein/Hamburg (3 % weniger Grünlandfläche als letztes Jahr) und Rheinland-Pfalz (2 % weniger). Wenn man das weiß, dann kann man womöglich auch sagen, welche Maßnahmen im Kampf gegen den Grünlandumbruch neben einem Umbruchverbot erfolgversprechend sind. Um dies zu diskutieren, muss Ministerin Aigner die Agrarminister der Länder zu einem Grünland-Gipfel einladen."

Bundesland

Grünland

absolut

(1000 ha)

2003

Grünland

pro

Gesamt-LN

2003

Grünland

absolut

(1000 ha)

2008

Grünland

pro

Gesamt-LN

2008

Veränd.

Grünland/

Gesamt-LN

 2003-08

Veränd.

Grünland

absolut

2003-08

Veränd.

Grünland

absolut

2007-08

Baden-Württemb.

567

39,7 %

549

39,2 %

-2,5 %

-3,2 %

-1 %

Bayern

1.151

35,7 %

1.122

35,4 %

-1,9 %

-2,5 %

-1,3 %

Brandenburg & B

295

22 %

283

21,4 %

-3,5 %

-4,2 %

-0,9 %

Hessen

299

36,9 %

295

37,6 %

1,3 %

-1,5 %

0,3 %

Mecklenburg-Vorp.

278

20,3 %

261

19,3 %

-5,6 %

-6,3 %

-0,9 %

Nieders. & HB

764

29 %

723

28 %

-4,97 %

-5,4 %

-1,2 %

NRW

463

29,9 %

439

28,6 %

-4,4 %

-5 %

0,1 %

Rheinland-Pfalz

251

37,6 %

235

36,4 %

-5,3 %

-6,4 %

-2 %

Saarland

42

51,1 %

40

50,6 %

-0,2 %

-4,1 %

1,1%

Sachsen

192

20,9 %

189

20,7 %

-1,23 %

-2 %

-0,2%

Sachsen-Anhalt

179

14,8 %

172

14,3 %

-3,3 %

-3,6 %

-0,1%

Schl.-Holst & HH

363

35 %

335

33,3 %

-7,5 %

-7,7 %

-3 %

Thüringen

181

22,4 %

179

22,2 %

-0,7 %

-0,9 %

0,1%

Deutschland

5.024

29,4 %

4.821

28,7 %

-3,4 %

-4,1 %

-1 %