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Der Waldbau muss in Zeiten des Klimawandels für Vielfalt sorgen. Denn eine große Vielfalt an Baumarten kann den klimawandelbedingten Ausfall einzelner Baumarten am ehesten bzw. schnellsten ausgleichen. Darin waren sich die Experten beim Kongress "Wald ist grün - Waldpolitik in Zeiten des Klimawandels", den die bündnisgrüne Bundestagsfraktion am 5. Juli veranstaltet hatte, einig.
Erwartet kontrovers wurde die bündnisgrüne Forderung diskutiert, die Grundsätze der guten fachlichen Praxis im Waldbau gesetzlich festzulegen. Zahlreiche Waldbesitzer gehen davon aus, dass die Vielfalt der waldbaulichen Entscheidungen der Waldbesitzer für die erforderliche Vielfalt an Wäldern sorgt und sich einmal festgelegte gesetzliche Vorgaben als viel zu statisch erweisen werden. "Wir Grüne bezweifeln jedoch, dass es diese Vielfalt der Entscheidungen tatsächlich geben wird", entgegnet die waldpolitische Sprecherin der Bündnisgrünen, Cornelia Behm. "Vielmehr ist zu befürchten, dass sich manche Waldbesitzer durch steigende Holznachfrage und Holzpreise zu einer Übernutzung ihrer Wälder hinreißen lassen. Außerdem ist es insbesondere im Privatwald nach wie vor verbreitet, auf Monokulturen standortfremder Baumarten anstatt auf standortheimische Mischwälder zu setzen. Für diese Waldbesitzer brauchen wir entsprechende gesetzliche Regelungen. Diejenigen, die den Wald nachhaltig bewirtschaften, sind davon nicht betroffen. Im Gegenteil: Die gesetzlichen Mindeststandards bilden die Basislinie für staatliche Förderung. In deren Genuss soll nur der kommen, der mehr tut als das allernötigste."
Alles in Allem war der Slogan "Allianz der Vernünftigen" für diesen Kongress das Bindeglied zwischen den verschiedenen waldpolitischen Richtungen. Denn der Wald ist zwar zu 50 Prozent Privatbesitz. aber noch lange keine reine Privatsache. Und dessen waren sich alle Teilnehmer bewusst.
Überhaupt nicht einig waren sie sich hingegen bei der Frage, ob diese Vielfalt nur einheimische oder auch ausländische Baumarten umfassen darf. "Aus grüner Sicht ist die Ansiedlung ausländischer Baumarten kritisch zu bewerten", stellte Cornelia Behm dazu fest. "Denn sie sind kaum mit anderen Tier- und Pflanzenarten vergesellschaftet. Gerade dies macht sie ungeeignet, für eine möglichst hohe biologische Vielfalt im Wald zu sorgen." Die Befürworter der Ansiedlung ausländischer Baumarten verweisen jedoch darauf, dass ein Großteil der einheimischen Baumarten mit dem Klima der Zukunft möglicherweise nicht klar kommt, während sie erwarten, dass bestimmte ausländischen Baumarten besser gedeihen und höhere Holzerträge bringen.
"Der Kongress zeigte auch, dass die Debatte über die Kohlendioxidspeicherleistung von Wäldern viel zu sehr auf das Holz konzentriert geführt wird", konstatierte Behm im Anschluss an den Kongress. "Mindestens ebenso wichtig ist es, den Kohlendioxidvorrat im Waldboden zu erhalten und wiederaufzubauen. Deswegen sprechen wir Grüne uns bereits seit langem für das Verbot von Kahlschlägen aus. Besonders aufschlussreich fand ich es zu hören, in welch hohem Maße der Kohlenstoff gerade in alten Wäldern in den Waldböden gespeichert wird. Es ist offenbar ein Trugschluss, zu meinen, ein alter Wald würde kaum mehr zusätzliches Kohlendioxid speichern, sondern genauso viel freisetzen."